Anlässlich des von Integrationsminister Sebastian Kurz präsentierten Maßnahmenpakets zur Integration, äußerte Migrantenvertreter Dino Schosche starke Kritik an verpflichtenden Ein-Euro-Jobs für arbeitslose Asylberechtigte, dem Verbot der Vollverschleierung und der Gesetzesverschärfung für Zuwanderer aus Drittstaaten. Diese seien nicht integrationsfördernd sondern dienten ausschließlich dazu „seinen PR-Hunger zu stillen“, sagt Schosche, der 2009 die Wiener Integrationswoche ins Leben gerufen hat. Dienstagabend war er im Studio von W24 geladen, um als Migrantenvertreter den Status Quo der Integration zu beurteilen.

In Wien laufe die Integration zwar gut aber zu langsam. „60% der Wienerinnen und Wiener haben einen Migrationshintergrund, im Rathaus oder anderen städtischen Institutionen sind es aber meist weniger als 5%. Gelungene Integration heißt Partizipation. Wenn viele MigrantInnen an der Gesellschaft teilnehmen, wird auch Integration selbstverständlich sein“, betont Schosche bei seinem Auftritt in W24 Aktuell.

Die Frage ob Multikulti gescheitert sei, kann Schosche nur verneinen: „Wer sagt, dass Multikulti ein Traum ist, ist ein Realitätsverweigerer!“ Ein Problem sei aber, dass Menschenverachter und sogenannte Hobbyhasser lauter geworden sind. „Parteien wie die FPÖ, aber auch Teile der ÖVP und der SPÖ bieten Hassern eine politische Plattform“, sagt Schosche. Außerdem ortet er eine Krise in der Medienlandschaft, in der Boulevardmedien versuchen, Auflagen mit reißerischen Schlagzeilen und Hass zu verkaufen. Dieser richte sich laut Schosche, Herausgeber dreier Magazine, derzeit gegen MigrantInnen. Auch die Politik hätte das erkannt:„Nicht umsonst ist die FPÖ die populärste Partei derzeit, und Sebastian Kurz der populärste Politiker. Je mehr Verbote man gegen MigrantInnen ausspricht, desto politisch populärer wird man“, so Schosche.

Die Aufregung rund um Demonstrationen von Türken und Kurden in Wien basiere nicht auf importierter Politik, denn „wir importieren tagtäglich Politik aus dem Ausland, sei es aus den USA mit den Präsidentschaftswahlen oder Auseinandersetzungen in Israel. Das Problem ist, dass es Türken sind die demonstrieren. Und diese sind gerade keine populären MigrantInnen“, betont Schosche. „82% der TürkInnen fühlen sich laut Studie in Österreich heimisch oder eher heimisch, aber ich bezweifle, dass sie sich angenommen fühlen“, schließt Migrantenvertreter Schosche.

Die Sendung zum Nachsehen gibt es hier: http://www.w24.at/W24-Aktuell/247991/9923

 

Foto: Screenshot W24