Anlässlich des neuen Integrationsgesetzes äußerte Migrantenvertreter Dino Schosche scharfe Kritik an den Verpflichtungen zu Deutschkursen und Wertekursen, 0-Euro-Jobs, dem Burkaverbot im öffentlichen Raum und verschärften Strafbestimmungen bei Verstößen gegen die Integrationsvereinbarung. „Österreich hat keine Integrationspolitik“ sagt Schosche, der 2009 die Wiener Integrationswoche ins Leben gerufen hat. Dienstagabend war er im Studio von W24 geladen, um als Migrantenvertreter den Status Quo der Integration zu beurteilen.

Eine Politik, die auf Straferhöhungen, Streichungen, Verpflichtungen, Leistungszwängen und Verboten basiert, sei keine Integrationspolitik sondern Wahlkampf. Diese Politik diene nicht dem Wohlergehen der Gesellschaft sondern werde rein aus Angst vor der FPÖ gemacht. „Es geht nicht um Menschen, es geht um Wählerstimmen. Dass knapp 1 Million Menschen in Österreich keine Staatsbürgerschaft hat und dadurch auch kein Wahlrecht, macht sie zu Freiwild der Populisten, Hetzer und ehemaligen Neonazis“, so Schosche. Integration funktioniere nicht mit Strafen und Verboten.

Dass über die Köpfe der Migranten hinweg Politik gemacht werde, sieht Schosche als zentrales Problem. „Viele Menschen mit Migrationshintergrund sind frustriert, dass nur über sie geredet wird und nicht mit ihnen“, so Schosche und betont: „Wenn sie Plakate wie ‚Daham statt Islam‘ sehen, fühlen sie sich nicht gerade willkommen.“ Darauf basiere auch die aktuelle Problematik mit Erdogan und den türkischen Migranten: „Einerseits gibt es jene, die gegen Migranten hetzen und andererseits nutzen Diktatoren wie Erdogan die Atmosphäre, um sie für eigene Zwecke zu missbrauchen. Erdogan hat keinen besseren Partner in Österreich als die FPÖ.“

Als positive Maßnahmen würde Dino Schosche den Fokus auf Bildung und Teilhabe in der Gesellschaft sehen, statt Diskussionen um Kopftücher. Schosche betont: „Nur indem wir Integration als chancengerechte Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund an zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens verstehen und diese auch fördern, können wir gemeinsam und nachhaltig die Trennung zwischen dem „wir“ und den „anderen“ überwinden.“

Die Sendung zum Nachsehen gibt es hier: http://www.w24.at/24-Stunden-Wien/253766
Pressefoto: http://bit.ly/2bwGGoL
Credit: Bum Media / Michael Mazohl

 

Foto: Screenshot W24