Migrantenvertreter und Initiator der „Integrationswoche“ Dino Schosche zeigt sich irritiert über die Reaktion des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) auf die Kritik an einem Kapitel im Sammelband „Islam Europäischer Prägung“. Dass die Autorin des Kapitels nachweislich zahlreiche falsche und propagandistische Behauptungen über den Islam am Balkan aufgestellt hatte, liege nicht in der Verantwortung des ÖIF, heißt es in einer Stellungnahme des Fonds. „Lieber Integrationsfonds, so geht das nicht“, sagt Schosche.

„Wie im Impressum des Sammelbands ausgewiesen, geben die einzelnen Beiträge die Sichtweisen der VerfasserInnen auf das Thema wieder und wurden vom ÖIF nicht verändert. Der Österreichische Integrationsfonds hat die von Ihnen geäußerte Kritik am Beitrag „Islam auf dem Balkan“ der Autorin, Saida Keller-Messahli, weitergeleitet.“ Das schreibt der ÖIF wörtlich in einer Antwort auf die Anfrage namhafter Balkan- und IslamexpertInnen.

Gut integrierte Bevölkerungsgruppe unter Generalverdacht
Diese hatten nachweisliche Falschaussagen im Artikel von Keller-Messahli kritisiert. Sie hatte unter anderem behauptet, die bosnische Staatsführung habe nach dem Krieg Versuche unterstützt, Bosnien islamistisch zu unterwandern. „Die Aussagen im Kapitel eines offiziellen Sammelbands einer öffentlichen Einrichtung irritieren mich sehr“, sagt Dino Schosche, Migrantenvertreter und Gründer der Integrationswoche. „Da wird so getan, als seien die bosnischen MuslimInnen Extremisten. Damit setzt man  jetzt auch noch eine gut integrierte Bevölkerungsgruppe unter Generalverdacht. Noch mehr irritiert mich aber, dass dem ÖIF die berechtigte Kritik daran völlig wurscht ist. Wenn der ÖIF nicht dafür verantwortlich ist, dass in einem eigenen Sammelband keine Falschaussagen stehen, wer dann? Wäre es nach dieser Logik auch möglich, dass jemand aus der Bewegung der „Identitären“ einen Gastbeitrag verfasst und in einer von SteuerzahlerInnen finanzierten Publikation der öffentlichen Institution veröffentlicht?“

Schosche kritisiert außerdem, dass Saida Keller-Messahli überhaupt mit einem Kapitel über den Islam am Balkan beauftragt worden sei. „Die Frau mag ihre Verdienste haben, gegen islamistische Strukturen in der Schweiz vorzugehen. Mit dem Balkan und seiner Geschichte kennt sie sich aber nicht aus. Sie ist weder Historikerin noch Islamwissenschaftlerin. Die Frage ist, ob sie überhaupt schon mal in Bosnien war.“ Dass Keller-Messahli keinen inhaltlich ernstzunehmenden Text liefern würde, sei von Anfang an klar gewesen. „Wer hat sie also beauftragt und warum? Hier geht es um  österreichisches Steuergeld“. Aufgabe des ÖIF sollte zudem die wissenschaftliche Arbeit sein und nicht Propaganda.

In der Schweiz schlägt die Affäre mittlerweile hohe Wellen. Mittlerweile kritisiert auch die renommierte Zürcher Zeitung Keller-Messahli. „Mit der Affäre macht sich Österreich auf der ganzen Welt lächerlich“, sagt Schosche. „Das ist bedauerlich. Es muss sichergestellt sein, dass so etwas nicht wieder vorkommt.“ Als Lösung schlägt Schosche einen wissenschaftlichen Beirat vor, der alle Publikationen des ÖIF auf inhaltliche Richtigkeit prüft.

Die Stellungnahme renommierter ExpertInnen und JournalistInnen zum Sammelband des ÖIF gibt es hier nachzulesen: www.alphaplus.at/dokumente/brief_islam_balkan.pdf

 

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